Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, ob Apotheken in ihrer heutigen Form überhaupt noch eine Zukunft haben. Hintergrund sind tiefgreifende Veränderungen im Gesundheitswesen: zunehmende Digitalisierung, wachsender Versandhandel, neue gesetzliche Rahmenbedingungen sowie ein verändertes Informations- und Konsumverhalten der Patientinnen und Patienten.
Franziska Scharpf, Präsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer und Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer, machte deutlich, dass sich die klassische Apotheke vor Ort grundlegend verändern müsse, um langfristig bestehen zu können. Künftig werde ihre Rolle weniger in der reinen Arzneimittelabgabe liegen, sondern stärker in Beratung, Prävention, Therapiebegleitung und niedrigschwelliger Gesundheitsversorgung. Angesichts des demografischen Wandels und zunehmender Versorgungslücken könnten Apotheken zusätzliche Aufgaben übernehmen – allerdings nur, wenn diese politisch gewollt und strukturell unterstützt werden.
Lutz Boden, Geschäftsführer OTC-Markt bei Pharma Deutschland e.V., betonte ebenfalls, dass sich der Apothekenmarkt bereits massiv verändere. Patienten informierten sich zunehmend online und kauften rezeptfreie Produkte häufiger über digitale Plattformen oder Drogeriemärkte. Die Apotheke stehe daher unter erheblichem wirtschaftlichem und strukturellem Druck. Ihre Zukunft sieht Boden in einer konsequenten Weiterentwicklung entlang der Patient Journey, basierend auf dem freien Heilberuf der Apotheker sowie der interprofessionellen Zusammenarbeit mit anderen Heilberufen. Das ApoVWG biete hierfür eine gute Ausgangsposition.
In der anschließenden Diskussion unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe standen insbesondere die Konkurrenz durch Online-Anbieter, der Umgang mit Gesundheitsinformationen im Internet sowie die künftige Zusammenarbeit zwischen Apotheken und Ärzteschaft im Fokus. Dabei wurde deutlich, dass viele der bisherigen Strukturen an ihre Grenzen stoßen.
Einigkeit besteht unter den Referenten, dass Apotheken auch künftig ein wichtiger Bestandteil der Versorgung bleiben werden – allerdings nicht zwingend in der heutigen Form. Die Zukunft der Apotheke werde seiner Auffassug nach davon abhängen, ob es gelingt, ihre gesundheitspolitische Rolle neu zu definieren und wirtschaftlich tragfähig auszugestalten.
